E-Sport WettkÀmpfe und Visabedingungen

E-Sport ist lĂ€ngst nicht mehr nur unter 18-jĂ€hrigen Nerds verbreitet, sondern begeistert mittlerweile Millionen von Fans. Ganze Stadien fĂŒllen sich mit Zuschauern, wenn ein Wettkampf ausgetragen wird. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen wird es in Zukunft wahrscheinlich geben, dennoch fehlt dem E-Sport in Deutschland noch die Anerkennung als Sportart.

Das fĂŒhrt fĂŒr die Gamer regelmĂ€ĂŸig zu Problemen, denn die Teams bestehen aus internationalen Mitgliedern. Nicht immer ist ihnen ein Aufenthalt in der Bundesrepublik erlaubt, und oftmals bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone.

Bei E-Sport scheiden sich die Geister

Auf der einen Seite stehen die Kritiker des digitalen Wettkampfs. Ihre Meinung: E-Sport sei kein Sport. Trotz aller Anforderungen an die Spieler ist und bleibt es ein Spiel. Eines, das sehr schnelllebig sei. Niemand wisse, ob etwa League of Legends in fĂŒnf Jahren ĂŒberhaupt noch angesagt ist. Auch wenn es E-Sport heißt und weltweit Millionen Menschen bei Turnieren einschalten, ist und bleibt es Unterhaltung und nichts weiter als ein Spiel.

Diese Auffassung bestĂ€tigt ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes im Abgeordnetenhaus von Berlin aus dem Jahr 2016. Die Piratenfraktion hatte es in Auftrag gegeben mit der Fragestellung, ob das Land Berlin E-Sport als Sportart anerkennen könnte und welche Auswirkungen das unter anderem auf die steuerliche Bewertung und sportliche FörderungswĂŒrdigkeit hĂ€tte. Die Antwort ist eindeutig: „E-Sport ist nicht als Sport im rechtlichen Sinne anzusehen und deshalb rechtlich nicht als Sportart anerkennungsfĂ€hig“, schreiben die Gutachter. Auch bei der Organisation gibt es einen Haken (DOSB): die GemeinnĂŒtzigkeit von VerbĂ€nden ist nicht gegeben.

Auf der Gegenseite stehen die BefĂŒrworter mit ihrer Argumentation. E-Sport macht MilliardenumsĂ€tze und begeistert weltweit ein stĂ€ndig wachsendes Publikum. Die Anforderungen an die Spieler sind mit dem normalen, physischen Sport vergleichbar, auch wenn die körperliche Komponente nicht im Vordergrund steht.  

Dem Gutachten der Bundesregierung steht die Meinung des Sportwissenschaftlers Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln gegenĂŒber. Der PrĂ€ventions- und Rehaexperte kam zu dem ĂŒberraschenden Ergebnis, dass die psychischen und motorischen Belastungen der E-Sportler denen eines herkömmlichen Sportlers mindestens ebenbĂŒrtig, wenn nicht sogar ĂŒberlegen sind. Der Cortisolspiegel zum Beispiel liegt bei E-Sportlern auf dem Niveau eines Radrennfahrers, und die Pulsfrequenz entspricht mit 160 bis 180 SchlĂ€gen pro Minute der eines sehr schnellen Laufs, vielleicht sogar eines Marathonlaufs. Außerdem verfĂŒgen E-Sportler ĂŒber eine sehr gute Hand-Auge-Koordination sowie ein extrem gutes Reaktionsvermögen.


Anerkennung als Sportart wird weiterhin kontrovers diskutiert

E-Sport ist nach wie vor in Deutschland keine anerkannte Sportart. Anders sieht es dagegen in Asien aus: Das Asiatische Olympische Komitee hat den digitalen Wettkampf mittlerweile ins Programm fĂŒr die Asienspiele aufgenommen, im Jahr 2022 wird es auf dem virtuellen Spielfeld erstmals um olympisches Gold gehen.

Der DOSB hat sich bisher weder fĂŒr noch gegen eine Anerkennung des E-Sport als Sportart ausgesprochen. Der Sportbund definiert Sport durch drei Dinge:

Der DOSB definiert Sport durch drei Dinge

1. Die AusĂŒbung einer Sportart muss eine „eigene, Sportart bestimmende motorische AktivitĂ€t“ haben.

2. Die Sportart muss „die Einhaltung ethischer Werte wie Fairplay und Chancengleichheit“ gewĂ€hrleisten.

3.Gewisse organisatorische Voraussetzungen mĂŒssen erfĂŒllt sein – nĂ€mlich Vereinsform und GemeinnĂŒtzigkeit. (Schwierig in Anbetracht der Tatsache, dass es hauptsĂ€chlich Spiele wie Counterstrike, Battlefield, PUBG, Rainbow six & League of Legends sind, mit denen die WettkĂ€mpfe ausgetragen werden.)

Die endgĂŒltige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Mittlerweile hat der DOSB immerhin eine “Arbeitsgruppe E-Sport” gegrĂŒndet. In dieser wird eine Position erarbeitet, an der sich Sportvereine und VerbĂ€nde zum Thema E-Sport orientieren können. Eine Veröffentlichung ist fĂŒr den Herbst 2018 geplant.


E-Sport im Koalitionsvertrag

Die Bundesregierung dagegen hat das wirtschaftliche Potenzial von E-Sport erkannt und entsprechend reagiert. Im Koalitionsvertrag haben Merkel und ihre Mitregierenden eine Anerkennung als Sport festgeschrieben. „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland an“, steht dort geschrieben. „Da E-Sport wichtige FĂ€higkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport kĂŒnftig vollstĂ€ndig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstĂŒtzen.“

Bis es soweit ist, stehen internationale Wettkampfteilnehmer vor einem Problem.


WettkÀmpfe und Arbeitserlaubnis in Deutschland

Die Situation in der Bundesrepublik fĂŒhrt bei der Ausrichtung von WettkĂ€mpfen in eine rechtliche Grauzone.

In der Regel sind professionelle, bezahlte Sportler Arbeitnehmer ihres Vereins (e.V., AG oder GmbH). Im Fußball zum Beispiel ist das Ganze sehr einfach: FĂŒr Profifußballspieler hat das Bundesarbeitsgericht am 16. Januar 2018 entschieden, dass eine Befristung von ArbeitsvertrĂ€gen ĂŒber zwei Jahre hinaus möglich ist, da ein Sachgrund fĂŒr die Befristung vorliegt. Die Befristung der ArbeitsvertrĂ€ge mit Lizenzspielern der Fußball-Bundesliga ist auch ĂŒber zwei Jahre hinaus wegen der Eigenart der Arbeitsleistung gerechtfertigt, § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG).

Anders sieht es dagegen im E-Sport aus, hier ist die Rechtslage nicht eindeutig geregelt. Es finden sich die unterschiedlichsten Gestaltungen der Rechtsbeziehungen zwischen E-Sportlern und Team. Die Ausgestaltung als ArbeitsverhĂ€ltnis ist durchaus verbreitet und auch naheliegend – besonders dann, wenn E-Sportler den Anweisungen ihrer Head-Coaches und des Vereins unterworfen sind.

NatĂŒrlich gibt es Unterschiede zwischen E-Sport und dem Profifußball, allerdings gibt es auch viele Gemeinsamkeiten, die nicht von der Hand zu weisen sind. Von den Spielern im E-Sport werden ebenso wie von normalen Sportlern Höchstleistungen in Ligen (wie bspw. der ESL – Electronic Sports League) erbracht. Die Altersstruktur der Gamer ist offensichtlich entscheidend fĂŒr einen Erfolg. Der konkurrenzfĂ€hige Altersdurchschnitt von E-Sportlern liegt bei etwa Anfang zwanzig.


Aufenthaltstitel

Möglichkeiten, einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu bekommen:

Athleten: Die offensichtlichste scheint die Anstellung als Athlet. DafĂŒr mĂŒsste E-Sport allerdings zuerst als Sportart anerkannt werden. Zum derzeitigen Zeitpunkt kommt diese Option also nicht infrage.
KĂŒnstler: Kann das professionelle Zocken Kunst sein? Frei nach BeussÂŽ Motto: jeder Mensch ein KĂŒnstler? FĂŒr diese Möglichkeit mĂŒsste man die Behörden ĂŒberzeugen, dass es Kunst ist, als Profi League of Legends zu spielen. 
Teil einer TV-Produktion: Der Wettkampfteilnehmer braucht eine auslĂ€ndische Firma als Arbeitgeber, die tatsĂ€chlich eine solche Produktion durchfĂŒhrt. 
Spezialist: Die Person muss unentbehrlich fĂŒr ein Unternehmen sein.

EU-BĂŒrger und Staatsangehörige des europĂ€ischen Wirtschaftsraumes (EWR) benötigen fĂŒr ihren Aufenthalt in Deutschland kein Visum und keine Aufenthaltserlaubnis. Anders sieht es dagegen aus fĂŒr BĂŒrger, die in sogenannten Drittstaaten zuhause sind. Nach dem Aufenthaltsgesetz benötigen sie einen Aufenthaltstitel mit einer ausdrĂŒcklichen Gestattung einer ErwerbstĂ€tigkeit. Durch das den E-Sportlern in Aussicht gestellte Preisgeld bei Turnieren liegt eine Erwerbsabsicht vor.

Es gibt verschiedene Aufenthaltstitel. FĂŒr E-Sportler kommen grundsĂ€tzlich zwei davon in Betracht: als SelbststĂ€ndige oder zur AusĂŒbung einer (abhĂ€ngigen) BeschĂ€ftigung.


Wie sieht ein Aufenthaltstitel aus?

Der Aufenthaltstitel wird in Form eines elektronischen Aufenthaltstitels (eAT) ausgestellt. Die Karte im Kreditkartenformat besitzt einen nicht sichtbaren Chip im Inneren. Persönlichen Daten, ggf. Auflagen zum Aufenthalt und zur ErwerbstĂ€tigkeit sowie die biometrischen Merkmale (Lichtbild und zwei FingerabdrĂŒcke) des Inhabers sind auf dem Chip gespeichert.

Die ICT-Karte und die Mobiler-ICT-Karte sind spezielle Aufenthaltstitel fĂŒr unternehmensinterne Transfers von FĂŒhrungskrĂ€ften, Spezialisten und Trainees. Sie werden erteilt, wenn der AuslĂ€nder in einer inlĂ€ndischen Niederlassung eines außereuropĂ€ischen Unternehmens fĂŒr eine begrenzte Zeit tĂ€tig wird.


EU-Recht und Genehmigung

Kurzzeitaufenthalte in Schengen-Staaten werden im EU Recht geregelt. Im Zeitraum von 180 Tagen darf man sich fĂŒr die Dauer von 90 Tagen in einem Mitgliedsstaat aufenthalten.

Das EU Recht regelt die Voraussetzungen fĂŒr einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen in einem Schengen-Staat. Kurzzeitaufenthalte sind beispielsweise zu touristischen Zwecken, zum Besuch von Freunden oder Familie und zu GeschĂ€ftszwecken möglich.

Egal um welchen Aufenthaltstitel es geht – dieser muss immer von der Bundesagentur fĂŒr Arbeit genehmigt werden –  selbst dann, wenn es sich nur um ein eintĂ€giges Event handelt.

Wird hiergegen verstoßen, z.B. in dem die Erwerbsaussicht verschwiegen wird, können die Behörden ein Bußgeld von bis zu EUR 5.000,00 pro Einzelfall verhĂ€ngen. Im schlimmsten Fall kommt auch eine Strafbarkeit des E-Sportlers in Betracht.


Zahlen, Daten, Fakten

Deutschland ist weltweit der viertgrĂ¶ĂŸte Marktplatz fĂŒr E-Sport. Marktbeobachter haben den enormen Wirtschaftsfaktor des elektronischen Wettkampfs festgestellt. Schon im vergangenen Jahr machte die Branche einen Umsatz von 51 Millionen Euro, Tendenz steigend. Das Beratungshaus PwC (PricewaterhouseCoopers International) rechnet sogar mit einer Verdoppelung des Umsatzes auf 122 Millionen Euro bis zum Jahr 2022.

Es gibt in Deutschland mehr als zwei Millionen E-Sportler. Im Vergleich: Der Deutsche Fußball-Bund hat gut sieben Millionen Mitglieder, der Deutsche Tennis Bund rund 1,4 Millionen. Damit ist E-Sport definitiv kein Nischensport fĂŒr Computerfreaks. Selbst etablierte Fußballvereine unterhalten E-Sport-Abteilungen und haben sogar Profis unter Vertrag. Dazu gehören unter anderem Manchester City, der VfL Wolfsburg und RB Leipzig. Auch in der Bundesliga ist E-Sport vertreten: Sieben der 18 Bundesligisten haben eigene E-Sport-Teams, bei acht weiteren werden derzeit PlĂ€ne ausgearbeitet und geprĂŒft.

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Ob die Bundesregierung diesen Teil des Koalitionsvertrags einhalten wird, bleibt abzuwarten. Den Weg zu einer Anerkennung hat sie zumindest schon mal eingeschlagen. Bis E-Sport wirklich als Sportart anerkannt ist, mĂŒssen sich Gamer aus Drittstaaten wohl oder ĂŒbel in Deutschlands Grauzone der gesetzlichen Aufenthaltsbestimmungen bewegen.

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