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Blog 18.04.2019

Jugendliche sind bereit, sich im Ehrenamt zu engagieren

Jeden Tag reden wir von campai mit Vertretern aus Vereinen und Verbänden. Oft bekommen wir dabei zu hören, dass das Ehrenamt zahlreiche Probleme hat. Darum wollen wir uns diesem Thema widmen und mit Experten darüber sprechen. Denn auch die beste Vereinssoftware funktioniert nur, wenn es Menschen gibt, die in den Vereinen damit arbeiten.

Eine große Herausforderung ist es, junge Menschen für ein Engagement im Ehrenamt zu gewinnen und zu motivieren. Plan International Schweiz hat sich seit 2016 mit diesem Thema beschäftigt im Rahmen des Projektes „Wir reden mit!“. Ergebnisse des Projektes wurden jetzt veröffentlicht.

Die gute Nachricht: Jugendliche sind bereit, sich zu engagieren. Ältere müssten ihnen jedoch mehr vertrauen und bereit sein, ihnen Verantwortung zu übergeben. Wir haben mit Projektleiterin Caroline Buss darüber gesprochen.


Durch die bessere Mitbestimmung werden nicht nur die Jugendlichen in ihrer Entwicklung gestärkt, sondern es profitiert der ganze Verein.

Caroline Buss (Projektleiterin „Wir reden mit!“)

Was steckt hinter dem Projekt „Wir reden mit“?

Caroline Buss: Die Kernidee des Projektes ist es, die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in Vereinen und im Ehrenamt zu stärken. Durch die bessere Mitbestimmung werden nicht nur die Jugendlichen in ihrer Entwicklung gestärkt, sondern es profitiert der ganze Verein.

Das Vereinsleben wird bunter, es kommen mehr Ideen in den Verein und der Nachwuchs engagiert sich mehr. Dies wirkt dem Vereinssterben und der „Überalterung“ von Vereinen entgegen.

Wie sieht die Partizipation von Jugendlichen im Vereinsleben aus? Welche konkreten Formen nimmt sie an?
Buss: Da Vereine sehr heterogen sind, sind auch die Formen der Partizipation unendlich. Wir haben aber die 5 häufigsten Formen identifiziert und beschrieben (Details per Klick auf den jeweiligen Punkt):

portraitfoto caroline buss
Caroline Buss

Wo stecken die größten Herausforderungen – sowohl für die ältere Generation als auch für Jugendliche?
Buss: Besonders für Erwachsene ist es oft schwierig, neue Ideen zuzulassen. Sie haben meist bereits Erfahrung oder bekannte Prozesse, Abläufe und Vorstellungen, wie man etwas machen sollte. Besonders, wenn sie es bislang selber gemacht haben.

Sich von diesen Vorstellungen zu lösen, Kontrolle und Verantwortung abzugeben und somit neue Ideen, neue Ansätze oder neue Lösungswege zuzulassen ist nicht einfach und bildet eine der größten Herausforderungen für Vereine, Verbände und das Ehrenamt.

Auch wird oft unterschätzt, dass partizipative Prozesse und Methoden länger dauern und aufwendiger sind, als wenn alles selber gemacht wird. Dafür ist aber meist auch das Ergebnis spannender.

Partizipation ist für Jugendliche und Erwachsene ein Lernprozess.

Caroline Buss (Projektleiterin „Wir reden mit!“)

Für Jugendliche ist es ebenfalls nicht einfach, mitzureden und mitzubestimmen. Das erfordert Selbstbewusstsein. Es erfordert Mut, auf Erwachsene zuzugehen und die eigene Meinung zu vertreten. Besonders, wenn man das nicht gewohnt ist. Es ist außerdem nicht einfach, die Balance zu finden zwischen selber ausprobieren und Ideen verwirklichen aber dann auch zu merken, wann man Hilfe und Unterstützung braucht. Partizipation ist für Jugendliche und Erwachsene ein Lernprozess.

Digitale Teilhabe als Chance für das Ehrenamt

Das Beherrschen von digitalen Fähigkeiten ist etwas, was den Jugendlichen als „Digital Natives“ leicht fällt. Welchen Einfluss kann die Digitalisierung darauf haben, ob und wie junge Menschen am Vereinsleben teilhaben?
Buss: Dies ist eine Chance und ein großes Potential für Jugendliche. Besonders im Bereich Social Media haben Jugendliche mehr Fähigkeiten und Wissen als Erwachsene. So können sie in diesem Bereich sehr einfach mehr Verantwortung übernehmen, z.B. in dem eine Nachwuchssportlerin die Social Media Kanäle des Vereines betreut.

Es ist ein sehr gutes Beispiel, wie ein Verein vom Wissen und den Fähigkeiten der jugendlichen Mitglieder profitieren kann und wie Jugendliche selber in einem ihnen vertrauten Feld mehr Verantwortung übernehmen können.

Auch fördert die Digitalisierung die Kommunikation oder das Austauschen von Ideen. Es können sehr einfach sehr viele Personen zu einem Thema mitreden oder Inputs einbringen, ohne dass man physisch am selben Ort sein muss.

Wirken veraltete Prozesse innerhalb eines Vereins abschreckend auf junge Menschen?
Buss: Wenn veraltete Prozesse bedeutet, dass sich nichts verändern darf und dass damit Jugendliche auch nicht mitbestimmen können, dann kann dies durchaus abschreckend sein. Unsere Welt verändert sich sehr schnell, sie wird dynamischer und vielfältiger. So auch junge Menschen. Damit kommen neue Prozesse und neue Ideen, für die auch ein Verein offen sein sollte.

Es kann aber auch sein, dass Strukturen und klare Prozesse Jugendlichen Halt geben, in dieser sich wandelnden Welt. Klare Strukturen sind nicht negativ. Wenn sie sich an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientieren, können sie Sicherheit und Halt geben. Sind sie aber veraltet und gehen an den Bedürfnissen der Jugend vorbei, schreckt das sicherlich ab.