Wann ist die Umsatzsteuer fällig?

Vereinsverwaltung und die Umsatzsteuer:

  • Umsatzsteuerwas ist das?

    Wann fällt die USt bei einem Verein an?

  • Verein als Kleinunternehmer nach § 19

    Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG
    Option: Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung

  • Steuersatz 

    Welcher Geschäftsbetrieb des Vereins wird wie hoch besteuert?

  • Steuerbefreiung

    Verzichten oder zahlen?

Umsatzsteuer – was ist das?

In der Vereinsverwaltung ist der korrekte Umgang mit der Umsatzsteuer unverzichtbar. Die Umsatzsteuer wird auch Mehrwertsteuer genannt. Es liegt daran, dass der Steuerbetrag gleich bleibt. Die steuerlichen Funktionen der Mehr- bzw. Umsatzsteuer sind aber unterschiedlich. Für die Vereinsbuchhaltung ist die Umsatzsteuer relevant.

Wie der Name schon verrät, besteuert die Umsatzsteuer die Umsätze (Einnahmen). Diese Steuer gehört nicht zu den betrieblichen Kosten und wirkt sich nicht auf den Ertrag des Vereins aus.
In der Praxis der Finanzbuchführung wird die Umsatzsteuer daher als durchlaufender Posten bezeichnet. Die Umsatzsteuer, die ein Verein als Unternehmer bezahlt, erhält er als Vorsteuer (VorSt) von der Finanzkasse wieder zurück. Die Umsatzsteuer, die er selbst an Andere berechnet, muss er abführen. Die steuerbaren Umsätze sind in §1 UStG Abs. 1 Nr. 1 festgelegt.

Wann fällt die Umsatzsteuer bei einem Verein an?

Jede Vereinigung tritt vor dem Finanzamt als steuerliche Körperschaft auf. Daher wird die Umsatzsteuer beim Verein erst dann fällig, wenn er unternehmerisch tätig wird. Das gleiche gilt für jede andere Organisationen, ob eingetragener Verein, gemeinnützig oder nicht.

Für die korrekte Buchführung ist es vor allem für die Vereinsverwaltung wichtig, die 4 Tätigkeitsbereiche eines Vereins zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist für die Umsatzsteuer im Verein relevant.

Ideeller Bereich

Dazu gehören die Mitgliedsbeiträge, Spenden, Zuschüsse, Veranstaltungen ohne Entgelt.

Vermögensverwaltung

Unter diese Kategorie werden alle Bankgeschäfte, Vermietung von Grundbesitz, Verpachtung Werberechte etc. zusammengefasst.

Zweckbetrieb

Gemeinnützige Veranstaltungen, zum Beispiel sportliche Events, kulturelle Veranstaltungen, Lotterien für gemeinnützige Zwecke.

Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Dazu gehören die Bewirtung, Werbeeinnahmen, sportliche Veranstaltungen Altmaterialsammlung.

Nur der ideelle Bereich in einer gemeinnützigen Organisation gilt als nichtunternehmerisch und ist von der Umsatzsteuer ausgenommen. Der Zweckbetrieb, die Vermögensverwaltung und vor allem der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb unterliegen als unternehmerische Bereiche grundsätzlich der Umsatzsteuer.

Wichtig zu wissen:

Im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ist ein Verein, ob gemeinnützig oder nicht, den nicht gemeinnützigen Unternehmen gleichgestellt. Seine Umsätze muss ein Verein dem Regelsteuersatz von 19 % unterwerfen.
Falls keine Umsatz-Steuerbefreiung vorliegt, unterliegen die Umsätze im Bereich des Zweckbetriebes und der Vermögensverwaltung dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 %.

Veräußerung von Gegenständen

Was bedeutet “Veräußerung”? Der Begriff “Veräußerung” ist eine Umschreibung von rechtlichen Vorgängen, bei denen eine Person einer anderen Person festgelegte Vermögensgegenstände überträgt. Meistens ist damit der Verkauf von Gegenständen gemeint. Die komplizierte Bezeichnung kommt aus dem Bereich der Rechtswissenschaft. Im Gegensatz zu Veräußerung steht die Anschaffung bzw. Verpflichtung, also der Kauf.

Im Verein unterliegen die Veräußerungen von Gegenständen als Hilfsgeschäfte der ermäßigten Umsatzsteuer von 7 %. Aber nur dann, wenn sie nicht ausschließlich im ideellen Vereinsbereich verwendet wurden.

Verein als Kleinunternehmer nach § 19

Es gibt immer Ausnahmen von den geltenden Regeln. Die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG entlastet Vereine von der Umsatzsteuer, wenn bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschritten werden.

Die USt wird nicht erhoben, wenn die steuerpflichtigen Bruttoeinnahmen des Vereins (Einnahmen einschließlich Umsatzsteuer) im vorangegangenen Kalenderjahr die Grenze von 17.500 € nicht überstiegen haben und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen werden.

Ist eine Grenze überschritten? Dann fällt die Umsatzsteuer an.

Die Kleinunternehmerregelung mit Ausnahme bei Neugründungen bezieht sich auf den Vorjahresumsatz. So weiß ein Verein bereits zu Beginn eines Jahres, ob es im laufenden Jahr umsatzsteuerpflichtig wird.

Kleinunternehmerregelung § 19 UStG

Am Beispiel eines Musikvereins zeigen wir dir, wann die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG anzuwenden ist und wann die Umsatzsteuer fällig wird.

Die Vereinsverwaltung teilt mit: Der Musikverein erzielt in der Jahren 2016 – 2018 folgende Einnahmen:

JahrMitgliedsbeiträge / SpendenVereinsfest
20165.000 €15.000 €
20175.000 € 20.000 €
20185.000 € 16.000 €

In welchem Jahr muss der Verein die USt gesondert ausweisen?

2017

Der Musikverein hat im Vorjahr (2016) mit seinen steuerpflichtigen Einnahmen (Vereinsfeste) von 15.000 € die Grenze von 17.500 € nicht überschritten. Also wird der Verein in 2017 nicht umsatzsteuerpflichtig.

2018

Der Musikverein hat im Vorjahr (2017) mit seinen steuerpflichtigen Einnahmen (Vereinsfeste) von 20.000 € die Grenze von 17.500 € überschritten. Das bedeutet, dass der Verein in 2018 umsatzsteuerpflichtig wird.

Die Tatsache, dass im Jahr 2018 der Verein die Grenze von 17.500 € nicht überschreitet, spielt dabei keine Rolle.

Besonderheit bei Neugründungen

Bei Neugründungen gilt die Besonderheit, dass der Gesamtumsatz in einen Jahresumsatz umzurechnen ist (§ 19 Abs. 3 S. 3 UStG). Als Bemessungsgröße gilt die Grenze von 17.500 €. Angefangene Kalendermonate sind bei der Umrechnung als volle Kalendermonate zu behandeln, es sei denn, die Umrechnung nach Tagen führt zu einem niedrigeren Jahresgesamtumsatz.

Die Kleinunternehmerregelung ist nicht auf den einzelnen unternehmerischen Tätigkeitsbereich (Zweckbetrieb, Vermögensverwaltung, wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb), sondern auf die steuerpflichtigen Umsätze in der Summe der unternehmerischen Tätigkeitsbereiche anzuwenden.

Option: Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung

Ein Verein kann freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichten, seine Umsätze der Umsatzsteuer unterwerfen und von der sogenannten Option zur Regelbesteuerung profitieren.

Welchen Vorteil bietet diese Option? Durch den Verzicht kann der Verein Vorsteuer geltend machen. Dadurch kann sich ein Vorsteuerüberschuss ergeben. Dieser Verzicht gilt dann für die nächsten 4 Jahre.

Steuersatz

Überschreitet der Verein die Kleinunternehmergrenze von 17.500 € bzw. 50.000 €, unterliegen seine Umsätze der Umsatzsteuer, sofern keine Steuerbefreiung zum Tragen kommt.

Umsätze im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterliegen dem Regelsteuersatz von 19%, Umsätze im Zweckbetrieb und im Bereich der Vermögensverwaltung dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7%. Einnahmen im ideellen Bereich unterliegen nicht der USt.

Tätigkeitsbereich des VereinsSteuersatz
Ideeller Bereich0 % 
Vermögensverwaltung7 %
Zweckbetrieb7 %
wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb19 %

Steuerbefreiungen

Das Umsatzsteuergesetz § 4 UStG sieht für Vereine mehrere Befreiungen von der Umsatzsteuer vor.

Für bestimmte Umsätze, für die das Umsatzsteuergesetz eine Steuerbefreiung vorsieht, kann der Verein auf die Steuerbefreiung verzichten und die Umsätze der Steuerpflicht unterwerfen. Diese Option ist für den Verein dann vorteilhaft, wenn sich die Geltendmachung der Vorsteuerbeträge lohnt.


FAQ zu Umsatzsteuer

Wann muss mein Verein die USt bezahlen?

Die USt fällt beim Verein erst dann, soweit er unternehmerisch tätig ist.

Welcher Tätigkeitsbereich des Vereins ist von der USt ausgenommen?

Als nichtunternehmerisch und somit vor der USt ausgenommen gilt nur der ideelle Bereich des Vereins.

Muss mein Verein als Kleinunternehmer die Umsatzsteuererklärung abgeben?

Ist dein Verein Kleinunternehmer nach § 19 UStG, musst du keine Umsatzsteuer erheben und keine Umsatzsteuererklärung abgeben.