Ehrenamt heißt nicht mehr unentgeltlich – Für den Verein tätig sein und Geld bekommen

Die Nebenberufspauschale macht dies möglich

Viele Menschen in Deutschland engagieren sich in Vereinen: Ob nun im Sport-, Schützen-, Gartenbau- oder Angelverein. Es gibt etwa 600.000 Vereine zu den unterschiedlichsten Themengebieten. Unzählige Vereinsmitglieder verbringen ehrenamtlich in ihrer Freizeit sehr viel Zeit und investieren viel Herzblut und Kraft, um ihren Verein zu unterstützen und ihn noch besser zu machen. Was aber die wenigsten wissen: Diese Arbeit kann sogar vergütet werden. Um für diese Tätigkeit dann auch Geld zu bekommen, muss die Nebenberufspauschale beantragt werden. Deshalb ist es wichtig über sie Bescheid zu wissen, um sie auch richtig zu nutzen. Doch Vorsicht: Wenn zu spät oder gar nicht reagiert wird, kann dies zu hohen Nachzahlungen führen.

Die Nebenberufspauschale wird rechtlich als Dienstvertrag eingestuft, und ist eine Möglichkeit vom Staat für die Tätigkeit im Verein honoriert zu werden. Steuern und Abgaben können auf diese Weise deutlich gesenkt werden, oder sie entfallen ganz. Die Nebenberufspauschale kann von jedem genutzt werden, der in der Vereinsarbeit tätig ist. Diese Pauschale macht es möglich, für bestimmte Leistungen in der Vereinsarbeit 720 Euro im Jahr ausgezahlt zu bekommen. Dies sind 60 Euro monatlich, steuer- und sozialversicherungsfrei. Um Anspruch auf sie zu haben, müssen 2 Voraussetzungen vorliegen:

  • Die Pauschale kann nur für die Arbeit im Verein ausgezahlt werden, für die sie auch wirklich getätigt wurde.
  • Die Satzung des Vereins muss diese Nebenberufspauschale auch zulassen.

Beispiel: Ein Handwerker, der in einem Verein eine Fassade renoviert, darf für diese Arbeit mit 720 Euro nach dem Einkommensteuergesetz (§ 3 Nr. 26 a EStG) entlohnt werden. Wenn er Schulungen durchführt, kann er sogar 2.400 Euro bekommen, steuerfrei und ohne Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu müssen.

Grundsätzlich steht jedem, der sich in der Vereinsarbeit als Betreuer engagiert, ein Freibetrag von 2.400 Euro jährlich zu. Dieser ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Im § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) sieht der Gesetzgeber vor, dass Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, diese Pauschale beantragen können. Diese Arbeit kann in der Jugendhilfe, als Übungsleiter, in der Pflege oder in der Arbeit mit Behinderten ausgeübt werden. Wird diese Grenze überschritten, ist die Anmeldung als Minijob erforderlich https://www.minijob-zentrale.de/DE/00_home/node.html

Der Verein muss sich jährlich bestätigen lassen, dass der Empfänger diese Pauschale nicht bei einem anderen Verein geltend gemacht hat. Sollte dies so sein, so ist nur der bis zur Freigrenze bestehende Betrag auszahlbar.

Beispiel: Ein Gerätewart beim Turnverein bekommt für diese Tätigkeit 30 Euro monatlich ausgezahlt. Beim Chor-Verband ist er als Notenwart engagiert und kann hierfür bis zu 30 Euro Vergütung erhalten. Somit sind die 720 Euro erreicht, und der Freibetrag ist ausgeschöpft.

Eine Tätigkeit als Chorleiter bei verschiedenen Chören oder die Arbeit als Betreuer kann bis zu 2.400 Euro vergütet werden.

Wenn die Erklärung des Empfängers nicht vorliegt, werden bis zu 4 Jahre rückwirkend Sozialbeiträge in Höhe von 31,4 % fällig. Also 2.400 Euro x 4 Jahre = 9.600 Euro. Eine Nachzahlung von 3.014,40 Euro ist zu zahlen.

                                              Ganz wichtig

1. Prüfe, ob die Gemeinnützigkeit auch wirklich gegeben ist

2. Dokumentiere, welche Kosten genau entstanden sind

3. Liegt die Eigenerklärung über die weitere Nutzung der Pauschale vor?

4. Kläre, ob als Spende ausgezahlt wird, oder als Geldleistung?

Hier kannst du das Formular im PDF-Format ausdrucken:

formular_ehrenamtsfreibetrag_.doc

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