Jagd als angewandter Naturschutz

Jagd als angewandter Naturschutz

Haben Jäger in Deutschland ein schlechtes Image? Wohl kaum, wenn man die steigenden Zahlen der Mitglieder von Jägervereinen sowie der Jagdscheininhaber in Deutschland betrachtet. Die Jagd ist kein teures und exklusives Hobby. Es ist der angewandte Naturschutz!

80 % der Deutschen sind überzeugt, es ist notwendig zu jagen, um Wildbestände zu regulieren und Wildschäden in den Wäldern vorzubeugen. Mehr noch, 90 % der Deutschen befürworten die Fütterung von Wild in Notzeiten.

Wenn du auch zu den 88 % von den Bundesbürgern, die laut eigener Aussage Natur lieben, gehörst, kannst du deine Vorliebe richtig nützlich machen und einen Jagdschein erlangen. Als Jäger kannst du dich für den Naturschutz in den Vereinen ehrenamtlich engagieren, das haben nämlich  45 % der befragten Jungjäger auch vor.

Übrigens, die Annahme, dass die Jagd ein exklusiver männlicher Zeitvertreib sei, ist schon obsolet geworden. Fast ein Viertel (24 %) der Jungjäger sind inzwischen Frauen. Und noch eine gute Nachricht: Die heutige Generation der Jäger kommt direkt aus der Mitte unserer Gesellschaft.

Deutschland unter den Top 3 in der EU

Die aktuellen Zahlen über die Jagdscheininhaber veröffentlicht der Deutsche Jagdverein. So waren im Jagdjahr 2016/2017 genau 383.828 Jagdscheininhaber in Deutschland registriert. Die Zahl steigt stetig. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland den stolzen dritten Platz. Mehr Jäger als in der Bundesrepublik gibt es in Frankreich (1.331.000 Jäger) und in Spanien (980.000 Jäger).

In den zahlreichen deutschen Jagdvereinen treffen sich Alt und Jung. Während der Jagdscheinprüfung sitzt ein 16-jähriger Schüler neben einem 82-jährigen Rentner. Der Altersdurchschnitt liegt insgesamt bei 35 Jahren. Diese Zahlen widerlegen das Vorurteil, die Jagd sei ein Privileg für Menschen mit viel Geld und Muße. Denn mehr als 70 % der Jagdscheinprüflingen kommen aus dem ländlichen Raum, ein Fünftel der Befragten Jagdschüler hat noch keine Erfahrung mit der Jagd gehabt. In den Vorbereitungskursen sitzen Ärzte und Elektrotechniker nebeneinander. Die Passion für die Jagd teilen nahezu alle Berufsgruppen, wobei die größte Gruppe angehender Jäger aus dem Dienstleistungssektor (17 %) kommt, darunter Erzieher, Friseure, Lehrer, oder auch Krankenschwestern und Pfleger.

Einmal grüne Praxis bitte!

In Thüringen haben rund 300 angehender Jäger im letzten Jahr den sogenannten “Grünen Abitur” bekommen. Insgesamt zählten im Freistaat 11.628 Einwohner, die einen Jagdschein besitzen. Und es werden konstant mehr.

Die Jungjäger investieren viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung. Und das freiwillig! Wobei das “Grüne Abitur” schwieriger zu bekommen sei als jeder Schulabschluss, behaupten stolz jene, die die Prüfung schon abgelegt haben. Doch all die Strapazen in der Theorie lohnen sich im Nachhinein in der grünen Praxis.

“Ich komme so nah an die Tiere heran, sehe, wie Frischlinge miteinander spielen oder wie eine Eule sich auf den Hochsitz setzt”, erzählt Jenny, die Jungjägerin. Der erste Schuss, den sie abfeuerte, hatte sie dennoch schockiert, dabei hat sie sich ja so lange und intensiv darauf vorbereitet. Es war ein Fuchs, klein und niedlich. Warum sie schließlich  abdrückte? “Ich musste mich sehr überwinden zu schießen”, erinnert sich Jenny. “Aber wir tun ja Gutes. Wir übernehmen die Rolle der natürlichen Feinde, die es heute nicht mehr gibt. Darum schießen wir auch vor allem schwache und kranke Tiere, die früher von Wölfen oder anderen Raubtieren gerissen worden wären”, erklärt souverän die Jungjägerin.

Zur Jagd gehört auch die Revierarbeit. Das heißt dann konkret: Hochsitze bauen bzw. Reparieren, Bäume pflanzen und gießen, Brücken bauen und instand halten.

Was kostet die Ausbildung?

Die jagdliche Ausbildung in der Bundesrepublik ist sehr intensiv und aufwendig. In keinem europäischen Land sind die Unterrichtseinheiten so breit gefächert wie in Deutschland. Die Durchfallquotte beim “Grünen Abitur” liegt bundesweit bei 25 %. Der angehende Jäger muss mindestens 140 Unterrichtsstunden in seiner Ausbildung absolvieren. Und wenn man schon dabei ist, kann man auch die Leidenschaft für die Natur zum Beruf machen, man wählt dann den Ausbildungsberuf zum Berufsjäger. In Deutschland gehört zur Jagd nicht nur das jagdliches Schießen, sondern auch das Jagdhundewesen, sowie das jagdliche Brauchtum, wie zum Beispiel das Jagdhornblasen.

Für ihre Ausbildung bezahlen die Teilnehmer rund 1.900 Euro. Die meisten kommen allerdings auf einen Betrag, der zwischen 2.000 und 2.500 Euro liegt.

Nützliches, aber kein billiges Hobby

Jagd in Deutschland dient der Prävention von Wildschäden oder Tierseuchen, Jäger helfen maßgebend dem Artenschutz. Jagd ist zudem ein Wirtschaftsfaktor. Hier einige Zahlen: Rund 1.570 Euro kostet die Pacht einer Jagd im Schnitt pro Jahr. Etwa 520 Euro geben Jäger für Reviereinrichtung, zum Beispiel für die Hochsitze, aus, für das Handwerkzeug, wie Messer und Waffen, fallen im Schnitt 390 Euro an, für die Spezialkleidung geben Jäger um die 280 Euro aus, dazu kommen noch Tierarztkosten für den Hund. Im Schnitt gerechnet, kommt jeder Jäger insgesamt auf jährliche Ausgaben von 4.340 Euro. Dabei kurbeln die Jäger die deutsche Wirtschaft an – 1,6 Milliarden Euro investieren pro Jahr die Jägerinnen und Jäger.

Ein Jagdschein noch vor dem Führerschein?

Willst du eine Jägerprüfung ablegen, dann musst du mindestens 16 Jahre alt sein. Der Jungjäger erhält nach erfolgreich bestandener Prüfung den Jugendjagdschein. Dieser berechtigt nur zur Jagdausübung in Begleitung eines Erziehungsberechtigten oder einer von diesem schriftlich beauftragten Aufsichtsperson. Die Begleitperson muss jagdlich erfahren sein. Der Jungjäger darf bis zu seinem 18. Geburtstag an einer Gesellschaftsjagd nicht teilnehmen.

Die Jägerprüfung darf man erst mit Vollendung des 16. Lebensjahres ablegen, aber den Vorbereitungslehrgang können junge Leute schon vor dem 16. Geburtstag beginnen. Analog mit dem Führerschein Klasse B, den man schon mit 17 Jahren bekommen kann, erfolgt die Prüfung zum Jugendjagdschein unter den gleichen Bedingungen, wie die zur Erlangung des normalen Jagdscheines für volljährige Personen.