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Sinnvolles Mittel zur Integration

Dass Sport Menschen verbindet, ist allgemein bekannt. Besonders Teamsportarten eignen sich hervorragend, um ein Gruppengefühl herzustellen. Bei gemeinsam erzielten Erfolgen spielen nicht Sprache, die Herkunft oder Hautfarbe die wichtigste Rolle, sondern das Erreichen eines gemeinsamen Ziels. Die Teammitglieder lernen sich kennen und machen die Erfahrung, sich aufeinander verlassen zu können.

Sport kann ein wichtiges Instrument sein, wenn es darum geht sich auszupowern. Der Alltag von Flüchtlingen in Deutschland ist oft von langen Wartezeiten geprägt, von einer Strukturlosigkeit und ungewissen Zukunft. Die Flüchtlingsunterkünfte bieten wenig Privatsphäre, und mangelnde Sprachkenntnisse erschweren es den Geflüchteten, Anschluss in einem fremden Land zu finden.

Sportvereine können helfen, Flüchtlinge besser in unsere Gesellschaft zu integrieren, denn um gemeinsam Sport zu treiben, braucht man nicht unbedingt viele Worte.

Welche Möglichkeiten gibt es für Sportvereine, ihr Angebot für Geflüchtete zu öffnen? Und worauf sollte überhaupt geachtet werden? Im folgenden Text beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Müssen Flüchtlinge dem Verein beitreten, um das Sportangebot wahrnehmen zu können?

Ob das Angebot des Vereins nur Mitgliedern zugänglich ist, ist in der Satzung verankert. Manche Vereine haben hier festgelegt, dass auch Nichtmitglieder am Training teilnehmen können. Es steht immer dem Verein frei, sein Angebot auch Menschen anzubieten, die keine Mitglieder sind.

Man kann diese Frage also nicht eindeutig mit ja oder Nein beantworten, es hängt von der jeweiligen Vereinssatzung ab. Eine zeitlich befristete Mitgliedschaft ist sicher eine Lösung, von der beide Seiten profitieren.

Selbst bei kostenloser Aufnahme ist die Gemeinnützigkeit des Vereins gewährleistet

Vereine dürfen Flüchtlingen eine kostenlose Mitgliedschaft anbieten. Sie verlieren dabei nicht den Status ihrer Gemeinnützigkeit und somit weitreichende Steuervergünstigungen. Hierauf einigten sich die 16 Finanzsenatoren und -minister der Länder im Jahr 2015. Das gilt auch, wenn die kostenlose Aufnahme Geflüchteter nicht explizit in der Satzung erwähnt wird.

Ermäßigte Beiträge

Vereinen steht es frei, bestimmten Personengruppen ermäßigte Beiträge anzubieten. Dies sind meistens Kinder, Studenten, Rentner oder Geringverdienende. Ein ermäßigter Mitgliedsbeitrag kann selbstverständlich auch Asylsuchenden zur Verfügung gestellt werden.

Wichtig für Sportvereine

Teilnahme an Wettkämpfen

Grundsätzlich sind nur vereinsangehörige Sportler zur Teilnahme an Wettkämpfen berechtigt. Das ist aber kein Problem, denn der Verein kann den Geflüchteten als Mitglied aufnehmen und beim Fachverband anmelden.

Teilnahme an Auswärtsspielen

Möchte das geflüchtete Vereinsmitglied an auswärtigen Wettkämpfen teilnehmen, kann es komplizierter werden. Ob und wohin das Mitglied reisen darf, ist unter anderem von seinem Aufenthaltsstatus und dem Bundesland abhängig. Innerhalb Deutschlands dürfen sich Asylsuchende in der Regel frei bewegen, in manchen Fällen ist eine Erlaubnis der Ausländerbehörde erforderlich, zum Beispiel wenn der wettkampf im Ausland stattfindet. Vorher unbedingt informieren!

Befristete Mitgliedschaft

Viele Vereine bieten eine zeitlich befristete Mitgliedschaft an, diese kann natürlich auch von Flüchtlingen in Anspruch genommen werden.

Eine befristete Mitgliedschaft bringt allerdings einige Fragestellungen mit sich, die im Vorfeld abgeklärt werden sollten. Zum Beispiel, ob ein zeitlich befristetes Mitglied die gleichen Rechte und Pflichten hat wie alle anderen Mitglieder. Und wie ist die Beendigung der zeitlich befristeten Mitgliedschaft geregelt? Kann diese verlängert werden?

Spezielle Veranstaltungen

Manche Vereine bieten Veranstaltungen für Flüchtlinge an – zum Beispiel einen Tag der offenen Tür, oder ein kostenfreies Probetraining. Dies dient weniger der Rekrutierung neuer Mitglieder als dem Zweck, ein Zeichen zu setzen für eine tolerante Gesellschaft. Asylsuchende haben hier die Möglichkeit, über Sportangebot und Vereinsleben zu informieren.

Versicherungsschutz

Der Sportverein sollte eine Zusatzversicherung abschließen, die im Falle eines Unfalls die ärztliche Versorgung der Asylsuchenden gewährleistet. Bei der Versicherungsgesellschaft ARAG gibt es ein spezielles Versicherungspaket. Die Landessportverbände informieren über Möglichkeiten der Absicherung.

Beispiele der Fördermöglichkeiten für Vereine

Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Sportvereine, ihr Angebot kostenfrei für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Fördergelder privater Stiftungen und der Landesverbände können in Anspruch genommen werden.

Die Website www.stiftungen.org gibt einen Überblick über private Stiftungen.

Die Landesverbände der Sportvereine stellen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung.

Berliner Vereine informieren sich auf http://www.lsb-berlin.net/angebote/foerderprogramme/  über Förderprogramme für Asylsuchende.

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