Rettungsschiff „Aquarius“ bietet humanitäre Hilfe für Geflüchtete

Tausende Menschen sind bereits auf der Flucht über das Mittelmeer nach Europa ertrunken. Die gefährliche Überfahrt in maroden, überfüllten Schlauchbooten ist für Menschen aus Krisenregionen oftmals die einzige Gelegenheit auf ein neues Leben fernab von Verfolgung, Hunger und Krieg.

Zwar ist die Zahl der Flüchtlinge gesunken, die nach Europa gelangen, aber der prozentuale Anteil der Menschen, die bei ihrem Fluchtversuch ums Leben kommen, hat sich drastisch erhöht.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks ertrinkt zurzeit einer von sieben Menschen bei dem Versuch, das europäische Festland auf der zentralen Route zu erreichen. Im ersten Halbjahr 2018 war es jeder 19., im gleichen Zeitraum des Vorjahres war es jeder 38. Mensch, der seinen Fluchtversuch mit dem Leben bezahlte.

Das UN-Flüchtlingswerk geht von etwa 1500 Menschen aus, die in diesem Jahr bereits bei ihrem Fluchtversuch auf dem Mittelmeer ums Leben kamen.

EU Gipfel beschließt Maßnahmen – Europa möchte die Einreise von Flüchtlingen verhindern

Auf dem EU-Gipfel am 28. Juni haben sich die Mitgliedstaaten darauf geeinigt, Flüchtlinge verstärkt an der Einreise zu hindern. Die Maßnahmen sollen laut EU Kommissar Günther Oettinger bis September ausgearbeitet werden, eine Umsetzung soll dann ab dem Jahreswechsel erfolgen. Außerdem wird darüber diskutiert, außereuropäische Lager entstehen zu lassen, in denen die Geflüchteten vorläufig untergebracht werden; der Asylbedarf soll dann dort geprüft werden.

Rettungsschiff „Aquarius“ – humanitär und transparent

Das Schiff „Aquarius“ ist eines der letzten großen und zivilen Rettungsschiffe, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den in Seenot geratenen Menschen auf dem Mittelmeer zu helfen. Die „Aquarius“ wird von den Hilfsorganisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen betrieben.

Die „Aquarius“ war zuvor in die Schlagzeilen geraten, weil sie mit mehr als 600 Menschen an Bord weder in maltesische noch in italienische Häfen einlaufen durfte. Sie irrte tagelang auf dem Meer umher, bis schließlich Spanien die Geflüchteten aufnahm.

Die Betreiber des Schiffs legen großen Wert auf Öffentlichkeit und Transparenz. 

Deswegen gibt es ein Onlinelogbuch, die „Aquarius“ ist getrackt und so kann jeder mitverfolgen, wo das Rettungsschiff sich gerade befindet. Momentan steuert es auf Sardinien zu.

Interessiert? Hier kannst du  sehen, wo die Aquarius gerade ist.

Auf der interaktiven Karte kannst du die Route ebenfalls mitverfolgen.

Nach Aussagen von SOS Mediterranee hat die „Aquarius“ in den letzten 2,5 Jahren mehr als 29.300 Menschen das Leben gerettet. An Bord wurden sieben Babys geboren und sieben Kinder wiederbelebt.

Mensch sein verpflichtet

Dass die Rettung von in Seenot geratenen Menschen eine rechtliche und moralische Verpflichtung ist, davon ist Aloys Vimard überzeugt. Er ist Projektkoordinator des Rettungsschiffes. “Es gibt immer weniger zivile Rettungsschiffe, und die EU hat es bisher verschlafen, spezielle Such- und Rettungsmechanismen zu entwickeln. Deswegen ist die humanitäre Hilfe auf dem Mittelmeer heute wichtiger denn zuvor.”

Das Ziel des Schiffs ist die libysche Küste. Der Einsatz könnte schwierig werden und langwierig, denn seit Juni gibt es eine sogenannte Such-und Rettungszone vor der libyschen Küste. Diese beinhaltet, dass das Land für alle Einsätze vor der eigenen Küste selbst verantwortlich ist und Schiffe von Hilfsorganisationen vertreiben darf. Vor der Küste Libyens ist die Zahl der in Seenot geratenden Menschen allerdings am höchsten, und das Land könnte Unterstützung jeder Art gebrauchen.

Diese erhält es durch Finanzen aus der EU – allerdings nicht, damit Libyen die vor seiner Küste ertrinkenden Flüchtlinge rettet, sondern damit es sie an einer Einreise in die europäischen Mitgliedstaaten hindert.

Momentan ist noch unklar, welche europäischen Staaten überhaupt noch Bootsflüchtlinge aufnehmen.

Es bleibt abzuwarten, ob Libyen die humanitäre Hilfe von der „Aquarius“ annimmt, oder ob es das Rettungsschiff auf seiner Mission behindern wird.

Hier erfährst du mehr über Flüchtlinge.