Stasi Gedenkstätte Hohenschönhausen stoppt Zusammenarbeit mit Förderverein

Hubertus Knabe, Leiter der Stasi Gedenkstätte Hohenschönhausen, beendet die Zusammenarbeit mit dem Förderverein Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen e. V.

Grund ist die Nähe zur AfD des Vereinsvorsitzenden Jörg Kürschner.

Förderverein sympathisiert mit der AfD

Für Außenstehende sei nicht immer klar erkennbar, dass der Förderverein unabhängig von der Gedenkstätte agiere, so Knabe. Jörg Kürschner hat innerhalb des letzten Jahres regelmäßig Artikel in der rechtsgerichteten “Jungen Freiheit” veröffentlicht. Der promovierte Jurist fällt durch seine Nähe zur AfD auf. Außerdem soll er den Beitritt des AfD Vorstandsmitgliedes Georg Pazderski in den Förderverein unterstützt haben. Beides Tatsachen, die für Hubertus Knabe nicht tragbar ist.

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen steht nicht allein da mit ihrer Kritik an den Äußerungen Kürschners. Auch der Historiker Jens Gieseke und der ehemalige SPD Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg, beide für den Förderverein tätig, nahmen öffentlich Anstoß an den Äußerungen und dem Verhalten des Vereinsvorsitzenden. Dieser mache den Verein zu einem “Aufmarschplatz für die AfD”, das sei ein “nicht hinnehmbares Politikum”, schrieb Hilsberg an Knabe.

Knabe betonte, er hoffe sehr, dass der Förderverein sich wieder auf seine eigentliche Aufgabe – die Gedenkstätte zu unterstützen.

Auch interessant: Hilft das ZDF der FDP beim Wahlkampf?   

Hintergrund: Das Gefängnis

Das Ministerium für Staatssicherheit übernahm im Jahr 1951 das Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Dieses war ursprünglich nach dem Zweiten Weltkrieg als sowjetisches Speziallager errichtet worden.

Zwischen 1951 und 1989 wurde das Gefängnis zur Aufrechterhaltung des Systems genutzt.

Zahlreiche Häftlinge wurden hier monatelang festgehalten, von der Außenwelt abgeschottet, psychisch gefoltert und zu belastenden Aussagen gezwungen. Die Häftlinge wurden über ihren Aufenthaltsort im Unklaren gelassen, sie waren von der Außenwelt abgekoppelt und meistens von den Mitgefangenen streng isoliert. Das Gefängnis befand sich auf einem Sperrbezirk, der von den normalen Bürgern nicht betreten werden konnte. Den Häftlingen wurde suggeriert, einem allmächtigen Staat völlig ausgeliefert zu sein. Sie wurden von psychologisch geschultem Personal oft monatelang verhört.

Unter den Insassen waren nicht nur prominente Politiker. Auch Menschen, die Fluchtversuche unternommen hatten, wurden hier inhaftiert, und sämtliche “Feinde des Regimes”. Der Jurist Walter Linse wurde sogar aus Westberlin gekidnappt und ins Stasigefängnis Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Er wurde 1953 von einem sowjetischen Militärgericht wegen “Spionage und antisowjetischer Propaganda” zum Tode verurteilt und 1953 in Moskau hingerichtet.

Erst mit dem Sturz des DDR-Regimes im Herbst 1989 wurde der Staatssicherheitsdienst aufgelöst. Mit dem Ende der Diktatur wurden auch die Gefängnisse geschlossen und ihre Häftlinge in die Freiheit entlassen.

Die Gedenkstätte

Nach dem Ende der Diktatur und der Schließung des Gefängnisses in Hohenschönhausen setzten sich ehemalige Häftlinge für die Errichtung einer Gedenkstätte ein. Die Gedenkstätte als Ort der Aufklärung über die Formen und Folgen von politischer Verfolgung in der DDR gibt es seit 1994. 1992 wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt, seit dem Jahr 200 ist die Gedenkstätte eine selbstständige Stiftung öffentlichen Rechts.

Mit regelmäßigen Ausstellungen, Publikationen, Führungen und Veranstaltungen können die zahlreichen Besucher sich über die Methoden des Regimes informieren, sich seine Diktatur zu erhalten. Die Besucher werden meistens von ehemaligen Häftlingen durch die Anlage geführt und erhalten dadurch einen realitätsnahen Einblick in die damaligen Zustände.

Lies auch folgenden Artikel: IGS als Teil des Islambeirates an Humboldt Uni