Oldie oder Goldie? – Ältester Kaninchenzüchterverein Deutschlands

Oldie oder Goldie? – Ältester Kaninchenzüchterverein Deutschlands

Ältester Kaninchenzüchterverein Deutschlands

Das Züchten von Kaninchen gehört nicht unbedingt zu den Hobbys, die derzeit im Trend liegen. Man denkt bei Kaninchenzuchtverein sofort an alte Menschen auf dem Land, an verstaubte Urkunden und dunkel vertäfelte Vereinsheime. Tatsächlich leiden die Kaninchenzuchtvereine in Deutschland an einem erheblichen Nachwuchsmangel. Woran das liegt und ob es tatsächlich so schlimm ist, haben wir für euch untersucht.

Wir stellen euch den ältesten Kaninchenzuchtverein Deutschlands vor.

“Alter Verein” vom Aussterben bedroht

Der Chemnitzer “Alte Verein” hat nach 138-jährigem Bestehen noch ganze drei Mitglieder. “Wir sind hier nur noch ein halbes Krankenhaus”, beklagt Wolfgang Klammek, Vorstand des Traditionsvereins.  Das Durchschnittsalter beträgt 67 Jahre, zwei der drei Mitglieder befinden sich in einer Reha.

Seit 2007 ist der 69-jährige Wolfgang Klammek Vorstand des Vereins. Gemeinsam mit dem Stadt- und Landesverband hat er versucht, eine Lösung zu finden. Das Ende des “Alten Vereins” steht bevor. Tatsächlich ist es so, dass die Chemnitzer Rassekaninchenzüchter ihren Verein auflösen. “Wir finden keinen Nachwuchs. Die jungen Leute haben andere Dinge im Kopf”, so Klammeck.

Dass Traditionsvereine einen Mangel an jungen Mitgliedern verzeichnen, ist eine überregional zu beobachtende Entwicklung.

Geschichte des Vereins

Gegründet wird der “Alte Verein” im Jahr 1880, genauer gesagt am 12. April. Die Leitung übernimmt Julius Lohr. Im Chemnitzer Restaurant “Bienenstock” treffen sich die Interessierten, um eine gemeinsame Satzung festzulegen. Vereinsrechtlich geregelte Kaninchenzucht hatte es zuvor nur in Verbindung mit Geflügelzucht gegeben.

Ein neuer Trend entsteht. Kaninchenfleisch ist begehrt, und auch die Felle lassen sich hervorragend verwerten. Bald werden immer mehr Kaninchenzuchtvereine gegründet.

Es entsteht der Bedarf einer übergreifenden Koordination. Im Jahr 1892 wird unter der Leitung von Werner Meyer der “Bund Deutscher Kaninchenzüchter” gegründet. Nach 10-jährigem Bestehen des BDK gehören diesem bereits 110 Vereine an mit einer Gesamtmitgliederzahl von 2700.

Hintergrund

Der deutsch – französische Krieg aus dem Jahr 1870 bringt die Kaninchenzucht nach Deutschland. Die deutschen Soldaten sehen im verfeindeten Nachbarland, wie die Tiere in Ställen gehalten werden. Sie benötigen wenig Platz und gewährleisten eine Versorgung der Bürger mit Fleisch. Gerade in bevölkerungsreichen Gebieten ist Kaninchenzucht für die arme Bevölkerung eine Möglichkeit, sich mit Fleisch zu versorgen.

Fleisch und Felle der Tiere werden in der DDR von der Wirtschaft benötigt. Die Bürger im Osten der Republik haben die Möglichkeit, sich durch den Verkauf ihrer Produkte ein gutes Nebeneinkommen zu sichern. Somit sind Kaninchenzuchtvereine damals sehr populär.

Dass ihre Beliebtheit der Vergangenheit angehört, ist sicher auch ein Nebeneffekt der Wiedervereinigung und des allgemeinen demografischen Wandels. Auch besteht heutzutage in Deutschland kein Mangel an Fleisch, ganz im Gegenteil. Zu jeder Zeit und an jedem Ort der Republik ist Fleisch verfügbar. Es besteht also schlichtweg nicht mehr die Notwendigkeit, Kaninchen zu züchten, um sie dann zu essen.

Fazit

Der “Alte Verein” gehört bald der Vergangenheit an, er wird Geschichte sein. Vielleicht drängen all die jungen Menschen einfach in neuere Vereine, die mehr ihren Interessen entsprechen. Die Frage ist: Wie schlimm ist das und ist es überhaupt schlimm? Eine Frage, die wohl nur jeder für sich beantworten kann. Manche Traditionen sollten bewahrt werden, andere machen einfach dem Neuen Platz.

Im Fall des Chemnitzer Kaninchenzüchtervereins ist es wahrscheinlich einzig die Erinnerung der ehemaligen Mitglieder, die die Zeit überdauern wird.