Ehrenamt – alles was du wissen musst

Ehrenamt – alles was du wissen musst

Ehrenamt, was ist das überhaupt? Welche Arten gibt es? Was motiviert überhaupt einen Freiwilligen? Und welche gesellschaftliche Bedeutung hat das Ehrenamt in Deutschland? Fragen über Fragen, auf die du in diesem Artikel Antworten findest.

Was genau ist ein Ehrenamt?

Ähnlich wie der Begriff der Arbeit ist auch der des Ehrenamtes nicht eindeutig zu definieren. In der Umgangssprache spricht man häufig von gesellschaftlichem Engagement oder auch Freiwilligentätigkeit. Ganz allgemein kann man Folgendes sagen: Das Ehrenamt ist freiwillig. Es dient dem Allgemeinwohl. Und es wird unentgeltlich ausgeführt. Allerdings muss man diese drei Gegebenheiten sofort wieder relativieren, denn sie treffen nicht auf alle ehrenamtlichen Tätigkeiten zu.

Zum Beispiel darf ein ehrenamtlicher Richter sein Amt nur aus gravierenden Gründen ablehnen. Die meisten freiwillig Tätigen haben nicht ausschließlich das Gemeinwohl im Kopf, sondern verfolgen auch eigene Interessen. Außerdem erhalten sie eine Vergütung in Form einer Aufwandspauschale.

Charakteristisch für eine ehrenamtliche Tätigkeit ist, dass sie sowohl demjenigen zugutekommt, der sie ausführt, als auch dem Zweck oder der Person, an die sie gerichtet ist.


Beispiele für ein Ehrenamt

Ehrenamtliche Tätigkeiten können ganz unterschiedlich sein. Sie werden in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ausgeführt. So sind Wahlhelfer ebenso ehrenamtlich tätig wie Mitglieder von Betriebsräten, Teilnehmer von Freiwilligendiensten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr oder dem Freiwilligen Ökologischen Jahr. Auch gerichtlich bestellte Betreuer, Laienrichter oder Gemeinderatsmitglieder sind ehrenamtlich tätig. Man kann sein freiwilliges Engagement für eine Hilfsorganisation ausüben. Auch die Tätigkeit als Seelsorger für kirchliche Organisationen ist möglich. Man kann sich in der Jugendarbeit, als Hospizhelfer, als Reservist oder Schülerlotse ehrenamtlich einbringen.

Meistens sind es Freiwillige, die ältere und kranke Menschen begleiten, die Nahrungsmittel an Bedürftige verteilen, die Tiere befreien oder Projekte zum Schutz der Umwelt organisieren. Auch Trainer, Platzwart, Betreuer im Sportverein sind Ehrenamtliche. Genau so wie die Praktikantin in der Kindertagesstätte.


Gesellschaftliche Bedeutung

Das Ehrenamt in Deutschland ist eine wichtige Stütze für unsere Gesellschaft, ohne die viele Bereiche des öffentlichen Lebens nicht existieren könnten. So wird zum Beispiel der Katastrophenschutz in Deutschland zu großen Teilen von ehrenamtlichen Mitgliedern verschiedener Organisationen gewährleistet.

Ursprünglich wurde das Technische Hilfswerk 1950 zum Schutz der Zivilbevölkerung vor militärischen Einsätzen gegründet. Mittlerweile kommt es auch bei Überschwemmungen, Erdrutschen oder schweren Unfällen zum Einsatz. Das THW leistet im Auftrag der Bundesregierung internationale Hilfe bei Naturkatastrophen. Außerdem führt es langfristige Entwicklungs- und Aufbauprojekte zur Verbesserung der Infrastruktur in ehemaligen Kriegsgebieten durch.

Die Feuerwehren haben zum großen Teil freiwillige Mitglieder, von den Berufsfeuerwehren abgesehen. Diese gibt es allerdings nur in großen Städten. In ländlichen Regionen basiert die Gewährleistung des Brandschutzes allein auf dem Engagement Freiwilliger.

Ähnlich wie bei vielen sozialen Berufen, die in Deutschland gering vergütet werden, sollte auch das Ehrenamt besser honoriert werden. Wenn nämlich auf einen Schlag alle Freiwilligen ihre Tätigkeiten einstellen würden, hätte unsere Gesellschaft ein großes Problem. Keiner würde mehr zuhören in der Seelsorge, ältere Menschen zum Arzt begleiten oder Tiere im Tierheim betreuen – und wenn es eine Überschwemmung gäbe, wäre niemand da, um die Anwohner zu retten.


Die Zahlen schwanken

Die Angaben zur Beteiligung der Bevölkerung an ehrenamtlicher Arbeit variieren. Die Zahlen schwanken je nach Definition. Nach Aussage des Bundesfinanzministeriums haben sich im Jahr 2004 rund 70 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre ehrenamtlich betätigt.

Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS) ist eine vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugendlichen in Auftrag gegebene Befragung zur Untersuchung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Diese ergab, dass bundesweit jeder dritte Mensch eine freiwillige Tätigkeit ausübt.


Motivation von Freiwilligen

Natürlich haben Freiwillige immer eine persönliche Motivation. Eine Studie von Clary und Snyder aus dem Jahr 1992 hat die Beweggründe vieler Freiwilliger untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass folgende Punkte für die meisten Menschen für die Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit eine wichtige Rolle spielen:

Selbsterfahrung (Lernen verschiedener neuer Dinge), Soziale Verantwortung (einen Beitrag leisten zu gesellschaftlich relevanten und eigenen Interessen), Soziale Bindung (Kontakte knüpfen, neue Menschen kennenlernen), Karriere (Ausprobieren verschiedener beruflicher Möglichkeiten, Hilfe bei Berufsorientierung), Selbstwert (Aufwertung der eigenen Person durch die ehrenamtliche Tätigkeit), Schutzfunktion (Flucht vor eigenen negativen Gefühlen durch die Freiwilligentätigkeit)

Um die vielen Ehrenamtlichen in ganz Europa zu würdigen, hat der Europarat das Jahr 2011 zum Jahr der Freiwilligentätigkeit erklärt.


Das Ehrenamt in Deutschland hat viele Facetten. Ohne das Engagement der vielen Freiwilligen wäre unsere Gesellschaft eine andere – sie wäre weniger sozial.