Ein Stück Grün in Berlin – mein Kleingarten

Ein Stück Grün in Berlin – mein Kleingarten

Es ist Samstagvormittag, die Vögel zwitschern und ich zupfe Grashalme aus einem Tomatenbeet. Die Sonne scheint mir auf den Rücken, etwas, das sie schon länger nicht getan hat. Durch den Regen der vergangenen Tage ist der Garten explodiert: Unkraut wuchert an allen Ecken, und Schnecken haben sich an Kohlrabipflanzen und Erdbeeren satt gefressen.

Die Kleingartenanlage „Freies Land“

Unsere Parzelle gehört zur Kleingartenanlage “Freies Land” im Bezirk Berlin – Weißensee. Hier verbringe ich im Sommer abwechselnd arbeitsreiche und entspannte Stunden mit Familie und Freunden.

Die Anlage gehört mit über 15 Hektar Fläche und fast 600 Mitgliedern zu den größten in Weißensee. Es gibt 414 Parzellen, die an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen sind.

Kleingärten im Wandel der Zeit 

In Berlin hat das Kleingartenwesen eine lange Tradition. Die Anlage “Freies Land” feierte in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen.

 Zur Zeit des Nationalsozialismus war ein Kleingarten Gold wert. Die Lebensmittel waren knapp, besonders frisches Obst, Gemüse, Fleisch und Eier waren schwer zu bekommen. Die Bevölkerung litt an Hunger und Unterernährung. Glück hatte, wer sich einen Kleingarten leisten konnte. Dort konnte man Obst und Gemüse anbauen, Hühner oder Kaninchen halten und dadurch die Entbehrungen verringern, die der Krieg den Menschen auferlegte.

Für meine Generation fast unvorstellbar, ist der Garten für mich eher so etwas wie ein Erholungsgebiet vom hektischen Stadtalltag, ein Platz, an dem es weder Müll noch Hundekacke gibt und ich sicher sein kann, dass mein Sohn barfuß laufen kann, ohne in eine Spritze oder Glasscherben zu treten. Er kann erleben, dass ein Kürbis tatsächlich aus der Erde herauswächst und es ihn nicht nur im Supermarkt zu kaufen gibt. Ich kann einfach mal abschalten, und es ist erstaunlich, wie gut das beim Pflanzengießen, Rasenmähen oder Unkrautrupfen funktioniert.

So ein Garten macht viel Arbeit. 400 Quadratmeter wollen zumindest halbwegs ordentlich aussehen und bewirtschaftet werden. Natürlich gibt es auch kleinere und ordentlichere Gärten, die weniger Arbeit verursachen, die ein sauberes Rechteck mit akkurat geschnittener Rasenkante und geometrisch angeordneten Pflanzen darstellen und absolut der gängigen Vorstellung des deutschen Kleingartens entsprechen.

Regeln und Freiheiten

Egal, wie groß der Garten ist oder wie er gestaltet ist, es gibt bestimmte Regeln, die man als Kleingärtner auf seiner Parzelle einhalten muss.

Zum Beispiel ist vorgeschrieben, dass man zu bestimmten Teilen Obst und Gemüse anbauen muss und die Hecke nicht höher als 125 cm sein darf. Trotz dieser Vorschriften haben wir genug Freiheiten, den Garten nach unseren Wünschen zu gestalten.

A pro pos Klischee: Gibt es ihn oder nicht, den typisch deutschen Kleingärtner? Jein, kann ich dazu nur sagen. Also eigentlich ja. Aber nicht nur und immer und überall. Und manchmal ist er auch gar nicht so schlimm, wie man ihn sich vorgestellt hat. Wie das halt mit Menschen so ist, sie sind unterschiedlich.

Gut, dass ich mir alles mit meiner guten Freundin Laura teile. So können wir gemeinsam darüber philosophieren, ob wir genug Obstsorten angepflanzt haben und wann die Hecke wieder geschnitten werden muss. Wir wechseln uns mit dem Gießen ab und teilen uns die Kosten. Unsere beiden Partner sind auch mit von der Partie bei Arbeitseinsätzen – und natürlich auch gern beim wohlverdienten Feierabendbier.