Freunde mit Kutschenführerschein

Freunde mit Kutschenführerschein

Wenn die Liebe zum Pferdesport vereint

Im Süden Deutschlands, im baden-württembergischen Wehr, ist vor einem Jahr ein neuer Verein gegründet worden – “Kutschenfreunde Finsterbach”. Die Vereinsgründer wollen diese spezielle Form des Pferdesports pflegen, die eigentlich untypisch für die südliche Region Deutschlands ist. Das soll sich jetzt aber ändern. Die bundesweite Einführung des Kutschenführerscheins wirkt sich positiv auf die badische Vereinsgründung aus. Und mit fundiertem Vereins-Knowhow gelingt jedes mutige Vorhaben.

Vom Hufschmied zum Vereinsgründer

Der Initiator des Vereins und der Vorsitzende der Kutschenfreunde ist der gelernte Hufschmied Volker Schöchlin. Der Verein soll dem Erhalt des Pferdesports und der damit verbundenen Tradition dienen.

Der Name des Hufschmieds ist in der Region bekannt. Seit 41 Jahren arbeitet der 67-jährige als selbstständiger in seinem Beruf. Außerdem gibt Volker Schöchlin seit 25 Jahren Fahrkurse für Pferdegespanne.

Die glorreichen Sieben des Vereins

Es war schließlich nur eine Frage der Zeit, wann die Begeisterung für Pferde und das Kutschenfahren Menschen in Wehr zusammenführen wird. Der gelernte Hufschmied ist eng aus professionellen Gründen mit dem Pferdesport verbunden. Seine private Passion und Freude dient aber dem Fahren mit Gespann. Endlich kann er sein Hobby mit seinen Vereinskollegen teilen. Die hat er nämlich in seiner Heimatstadt Wehr und in den umliegenden Gemeinden gesucht und gefunden. Die Vereinsgründung gestaltete sich zunächst schwierig. In der südbadischen Region begeistert der Fahrsport beim Weiten nicht so viele Menschen wie im Norden Deutschlands. “Ich musste Leute finden, die Interesse haben und für eine Vereinsgründung brauchte ich mindestens sieben”, sagt Schöchlin. Mittlerweile zählt der Verein Finsterbacher Kutschenfreunde elf Mitglieder, die in der Vereinssatzung festgehaltenen Ziele nun gemeinsam verfolgen.

Dank Verein ins Turnier

Die leidenschaftlichen Kutschenfahrer treffen sich ein Mal pro Monat. Eine von den Vereinsmitgliedern ist die überzeugte Kutschenfahrerin Rebecca Seider. In der ersten Linie geht es ihr darum, sich auszutauschen, die Trends und Neuigkeiten zu besprechen und nicht zuletzt, um das spezifische Kutschenwissen, das bewahrt werden soll. Dank der Mitgliedschaft im Verein kann Seider nun ihr Hobby intensiver betreiben. Als Mitglied einer Vereinsgemeinschaft bekommt sie endlich die ersehnte Unterstützung und kann ihre liebste Freizeitbeschäftigung nun auch kompetitiv nachgehen. “Ich wollte schon länger wieder mal an einem Turnier teilnehmen, das geht aber nur über einen Verein”, sagt sie.

Doch nicht der Turniergedanke treibt die Kutschenfahrer auf die Straße. Schließlich geht es um das entschleunigte Fahren mit einem oder zwei PS durch die schönen Landschaften.

Ausbildung für Kutscher und Pferde

Zum Kutschenfahren gehört mittlerweile nicht nur eine Kutsche, zwei Pferde und die Leidenschaft zum Fahren. Alle Mitglieder in dem badischen Verein sind im Besitz einer Fahrerqualifikation der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Bei der Qualifikation geht es nicht nur um die Fahrausbildung und um die Kenntnis von entsprechenden Verkehrsregeln. Die Zugpferde, im Unterschied zu berittenen Artgenossen, werden anders trainiert,. So müssen sie weitaus besser für die lauten Verkehrsgeräusche sensibilisiert werden.

“Man kann schon sagen, dass unsere Pferde besser ausgebildet sind”, sagt Schöchlin aus ihrer Erfahrung. Gehorsamkeit erfordern nicht nur die vielen Umwelteinflüsse, vor allem im dichten Straßenverkehr, auch die Distanz, die ein Kutscher zum Pferd hat, muss im Training intensiv geübt werden.

Was ist ein Kutschenführerschein?

Wenn du auch deine Passion für Pferde als Kutschenfahrer ausleben möchtest, dann ist es Zeit, einen Kutschenführerschein zu machen. Nie was davon gehört? Kein Wunder. Der Kutschenführerschein wurde erst vor knapp einem Jahr in Deutschland eingeführt.

Im Dezember 2016 wurde der Führerschein für die Kutscher durch den Beirat Sport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e. V. beschlossen und zum Juni 2017 offiziell eingeführt.

Es wird dabei zwischen dem Kutschenführerschein A Privatperson und dem Kutschenführerschein B Gewerbe unterschieden. Mit dem Erhalt dieser Qualifikation sind Fahrer für die Führung von Pferdegespannen im Straßenverkehr, also auf allen öffentlichen Wegen und Straßen, bestens ausgebildet und können es in brenzligen Situationen auch nachweisen.

Sicher ist sicher

Warum wird erst jetzt der Kutschenführerschein in Deutschland eingeführt?

Diese Maßnahme ist Teil einer Sicherheitsinitiative. Der Fahrsport wird in der breiten Öffentlichkeit zunehmend kritisch betrachtet, insbesondere von den Tierschutzorganisationen und -vereinen. Es bleibt aber nicht bei einer kritischen Diskussion. Die Tierrechtsorganisationen fordern ein generelles Verbot von Kutschen im Straßenverkehr.

Doch die traditionelle und umweltfreundliche Art der Fortbewegung soll aber erhalten bleiben und dafür müssen die Vereine sich einsetzen. Daher soll mit einem transparenten und auch für die Laien nachvollziehbaren System die fachliche Qualifikation der Gespannfahrer auf deutschen Straßen sichergestellt. Das System soll bundesweit einheitlich sein. Die Sicherheitsinitiative wird von anderen Verbänden wie dem ADAC und dem Kfz-Fahrlehrerverband sehr positiv bewertet. Schließlich kann man aus diesem Dialog andere Verkehrsteilnehmer, in der ersten Linie die Autofahrer, nicht ausschließen.

Ist der Kutschenfühereschein verpflichtend?

Aktuell ist der Kutschenführerschein bundesweit gesetzlich nicht verankert. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung fordert aber, dass jeder Kutschenfahrer, der sich im Straßenverkehr bewegt, über den Kutschenführerschein A Privatperson nachweist, dass er über das nötige Wissen rund um sicheres Fahren verfügt. Denn falls es zu einem Verkehrsunfall kommen sollte, steht ein Gespannfahrer mit dem Kutschenführerschein auf der sicheren Seite, vor allem in einem Versicherungsfall.

Das Kutschenfahren ist sicherlich ein seltenes Hobby. Extravagant ist es auch. Aber es ist eine Freizeitbeschäftigung, die man mit seiner Familie, Freunden und Kollegen teilen kann. Und es ist zweitrangig, ob sie Pferdeleute sind oder eben nicht. Wer wird schon eine Einladung zur Kutschenfahrt bei schönem Wetter ablehnen?