Verroht unsere Gesellschaft immer mehr? Angriffe auf Rettungssanitäter und Notärzte häufen sich

Verroht unsere Gesellschaft immer mehr? Angriffe auf Rettungssanitäter und Notärzte häufen sich

Ein nervöser, hektischer Anruf per Handy: hysterisch berichtet eine Frau der örtlichen Rettungsstelle, dass sie im Treppenhaus schwer gestürzt sei, und nun – blutend und schwindelig – dringend Hilfe benötigt. Dann, mitten im Gespräch, reißt die Verbindung ab. Die Rettungssanitäter eilen sofort zur Hilfe, um der Frau in dieser misslichen Lage zu helfen. Als die Rettungskräfte sie wenig später bewusstlos antreffen, werden sie von einem Mann hinterrücks, völlig unerwartet, angegriffen. Nur mit Mühe können sie sich bei einem Nachbarn verstecken…

Dies ist nur eine von vielen Szenen, die sich täglich in Deutschland ereignen. Leider nimmt die Zahl dieser Übergriffe auf Notärzte, Feuerwehrleute und Rettungssanitäter zu.

Woran liegt das? Wieso werden in unserer Gesellschaft die Menschen angegriffen, die sich für andere einsetzen und ihnen helfen möchten?

„Verpiss dich – muss zur Arbeit“
Ein Beispiel aus Hessen: Unübersehbar stand ein Rettungswagen am Unfallort, Sanitäter und der Notarzt war vor Ort, als plötzlich ein junger Mann in Erscheinung trat. Es war offensichtlich, dass es hier eine Notsituation gab. Ein Mensch brauchte dringend und schnell Hilfe. Dies war dem jungen Mann aber scheinbar egal. Der 23-Jährige trat wütend den Außenspiegel am Rettungswagen ab. Seine erstaunliche Begründung: Die Sanitäter hatten sein Auto zugeparkt. Dem Mann war es völlig gleichgültig, dass hier ein Mensch um sein Leben kämpft und Notfallretter alles tun, um ihn zu retten. Dann schrie er einen Sanitäter an, der hastig seinen Rettungskoffer holen wollte,  „verpiss dich – muss zur Arbeit.“ Auf die Erklärung des Sanitäters, dass „hier gerade ein Kind reanimiert wird, der Rettungswagen nicht fahren kann,“ baute der junge Mann sich drohend auf, „als ob er jeden Moment anfangen würde gewalttätig zu werden“, so einer der Einsatzkräfte vor Ort.
Eigentlich unerklärlich

Es ist verrückt: Gerade bei Unfällen, muss der Notarzt so schnell wie möglich vor Ort sein, um Leben zu retten. Hier zählt jede Sekunde. Eigentlich sollte das doch jedem klar sein, umso unverständlicher ist es, dass immer mehr Notärzte bzw. Rettungssanitäter bei ihrer Arbeit angegriffen und verletzt werden.

ffnet in neuem Tab/Fenster)Vereine, die in der Notfallrettung tätig sind, sind etwa Kreisverbände des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) e.V. oder die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Bei der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. sind z.B. Rettungssanitäter Haupt- und ehrenamtlich als Rettungssanitäter oder Rettungsasistenten tätig. Die Aufgabe, die sie zu bewältigen haben, verlangt ihnen alles ab: schnell sein, schwerwiegende Entscheidungen treffen und große Verantwortung tragen.

Um diese Herausforderung und schwierige Aufgabe auch bewältigen zu können, muss eine Hilfsbereitschaft, ein Optimismus und eine große Mitmenschlichkeit gegeben sein. Außerdem werden in der Ausbildung sehr hohe Standards gesetzt. Um in der Notfallmedizin arbeiten zu können, ist eine gründliche Ausbildung Pflicht. Wer sich für diese Arbeit interessiert, kann an diversen Orten an Ausbildungskursen und Lehrgängen teilnehmen. Wer sich ehrenamtlich als Mitglieder in der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. engagiert, für den sind diese Ausbildungslehrgänge dann auch kostenfrei.

Immer wieder dazulernen     

Wenn die Ausbildung bzw. die Kurse und Lehrgänge dann erfolgreich absolviert wurden, können die Ehrenamtlichen im Rettungsdienst eingesetzt werden. Sie sind dann als 2er- oder 3er-Team im Rettungs- oder Notarztwagen im Einsatz. Dabei müssen sie regelmäßig weitere Fortbildungen absolvieren, um immer medizinisch auf dem neuesten Stand zu sein.

Was sind das also für Menschen, die diese Rettungskräfte bei ihrer notwendigen und eigentlich unbezahlbar wichtigen Arbeit behindern…?