Was müssen Vereine bei der Kapitalertragsteuer beachten?

Komplizierter Name, einfacher Inhalt: Wie bei der Lohnsteuer handelt es sich bei der Kapitalertragsteuer für Vereine um eine Form der Einkommens- und Körperschaftsteuer. Was es damit auf sich hat und ob dein Verein davon betroffen ist, erfährst du hier.

Kapitalertragsteuer – was ist das?

Was für jeden Arbeitnehmer zur alljährlichen Pflichtübung gehört, gilt in ähnlicher Weise auch für Vereine: Die Gewinne aus Geldanlagen müssen versteuert werden. Grundsätzlich zählen zu den Kapitalerträgen beispielsweise Zinsen vom Sparbuch, Dividenden oder Wertzuwächse durch den Verkauf aus Aktien. Genauso wie die Lohnsteuer ist die Kapitalertragssteuer (KESt oder KapESt) eine sogenannte Quellensteuer. Das bedeutet: Die Steuern werden dirket von der auszahlenden Stelle, etwa der Bank, einbehalten und an die Finanzbehörde abgeführt. Der Steuersatz beträgt:

  • für Zinsen aus Sparbüchern und Girokonten: 25 Prozent
  • alle anderen Einkünfte aus Kapitalvermögen: 27,5 Prozent

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Beispiel: Dein Verein besitzt ein Sparbuch mit 10.000 Euro Guthaben und 100 Euro Zinsen. Somit führt die Bank 25 Prozent Kapitalertragssteuer in Höhe von 25 Euro direkt an das zuständige Finanzamt ab.

Wichtig: Zählen die Einkünfte aus Kapitalvermögen zu einem steuerpflichtigen Betriebsvermögen, dann wird die KESt bei der Veranlagung auf die Körperschaftsteuer angerechnet.

Welche Vereine müssen KapESt zahlen?

Ob dein Verein Kapitalertragssteuern zahlen muss, hängt zunächst von der Vereinsart ab. Entscheidend ist dabei zunächst die grundsätzliche Einteilung gemeinnütziger und nicht gemeinnütziger Vereine. Darüber hinaus spielt die Gewinnhöhe eine wichtige Rolle. Denn: Überschüsse oder Gewinne aus allen steuerpflichtigen Tätigkeiten, sind von der Körperschaftsteuer befreit, wenn sie die Summe von 10.000 Euro nicht übersteigen (für Kalenderjahre vor 2013: 7.300 Euro). Gewinne sind erst dann steuerpflichtig, wenn dieser Freibetrag, der jedem Verein nur einmal zusteht, überschritten wird.

Gemeinnützige Vereine

Gemeinnützige Vereine, auch Idealvereine genannt, werden nicht mit der Absicht gegründet, Gewinne zu erzielen. Der Staat fördert diese Vereine durch steuerliche Begünstigungen. Einzelne Einnahmequellen können beispielsweise von einer Besteuerung freigestellt werden.

Ein Verein wird von den Behörden offiziell als gemeinnützig eingestuft, wenn der Vereinszweck gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Art ist. Der Zweck muss dabei selbstlos, ausschließlich sowie unmittelbar verfolgt und in der Satzung festgeschrieben werden.

Kapitalertragssteuerpflichtig ist dein Verein nur, wenn er wirtschaftliche Interessen mit dem Ziel der Gewinnerwirtschaftung verfolgt. Nicht gemeinnützige Vereine unterliegen wie auch andere Wirtschaftsunternehmen grundsätzlich einer unbeschränkten Besteuerung.

Tipp: Unter bestimmten Voraussetzungen kann dein Verein eine formlose Befreiungserklärung beim Kreditinstitut abgeben. Vorausetzung dafür: Die Zinsen, für die diese Befreiung gilt, gehören zu den Betriebseinnahmen eines „Betriebes“. Hintergrund ist die Möglichkeit, Vereinseinnahmen unterschiedlichen Kategorien zuzuordnen, etwa dem ideellen Bereich, der Vermögensverwaltung, dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb sowie dem Zweckbetrieb. Für Zinsen, die im Rahmen der Vermögensverwaltung oder des Vereinsbereiches erzielt werden, kann keine Befreiungserklärung abgegeben werden.